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2005-10-19 19:42
Der Student und die Hexen
In unserer Studentenzeitung (sie heißt "student!" und ist also wohl nicht für Studentinnen gedacht) steht ein Artikel über Hexen. Im ersten Moment war ich irgendetwas zwischen verwundert und erfreut. Es ging offenbar sogar um Hexen heute, denn die Unter-Überschrift hieß: "Auch heutzutage gibt es Hexen und Hexer auf der ganzen Welt" Der Anfang des Artikels hörte sich auch noch gar nicht so übel an, es ging um die Herkunft des Wortes und die Hexenvergangenheit, und auch, wenn da populäre Geschichtchen als Fakten dargestellt wurden, wie etwa "damals gab es in jedem Dorf eine Hexe, die konnten heilen, und deshalb wurden sie dann auch verbrannt" (so in etwa), konnte ich noch mitlesen, ohne aufzustöhnen. Solche Stories kennt man ja aus vielerlei Kontexten. Leider setzte sich das Fakten-Märchen-Durcheinander im weiteren Verlauf des kleinen Artikels fort. So erfuhr ich, daß das Druidentum eine Wiederbelebung der germanischen Religion, "Asutra" (ich glaube, sie meinte Asatrú?) eine "kultische Form einer Universalphilosophie(...) aus der Frühzeit der Menschen" sei. (umgekehrt könnte es vielleicht noch in etwa hinkommen... oder, ihr ExpertInnen da draußen?) Außerdem besaßen die meisten heidnischen Götter Hörner, die "wahren Hexer" "umstreiten" (Zitat!) die Entstehungszeit der Wicca-Bewegung Mitte des letzten Jahrhunderts, und seit neustem ist der Rabenclan e.V. ein Wicca-Netzwerk (gib das ruhig weiter, Silvanus). Die wichtigste Erkenntnis war natürlich diese, der letzte, beruhigende Satz: "Hexen können keine Häuser einstürzen lassen oder Gegenstände bewegen." Uff. Ein Glück. Nun, versteht mich nicht falsch. Ich habe Respekt vor allen, die unentgeltlich in ihrer Freizeit für eine kostenlose Studentenzeitung arbeiten, und es geht mir überhaupt nicht in erster Linie darum, über die Autorin dieses Artikels zu lästern. Aber ich lese das schon mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wo hat sie recherchiert, auf einer Internetseite? So schön, dachte ich, das in einem Medium wie diesem ein Thema wie dieses bearbeitet wird. Tja. Hätte ich den Artikel schreiben sollen? Ich hätte mich wahrscheinlich nicht qualifiziert genug gefühlt. Auf den weiteren Seiten des aktuellen "Student!" (ohh, dieser Name! Schmerz!) gibt es noch einen Artikel zu studentischen Religionsgemeinschaften, natürlich ist nach wie vor keine heidnische dabei. Ein Interview zu Gender-Studies mit einer Dame, die ihre konservativen Ansichten zum Thema ("Aber auch rein biologisch...") nicht verhehlen mag. Ich glaube, diese Zeitung ist wohl so uncool, daß die meisten fitten Leute dort nicht mitschreiben wollen (einige gute Artikel gibt es, keine Frage). Müßte eine Zeitung von und für StudentInnen, vielbeschworene Elite, nicht etwas mehr hergeben? Muß frau denn alles selber machen? O-yasumi nasai. Blessed be. ;) Loewin TagsKommentare |
2005-10-19 19:42 |
