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2025-09-12 13:15
Geduldsfäden kann man nicht färben

Mit der Aussage habe ich mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen, denn meine Geduldsfäden wollen auch gar nicht gefärbt werden. Und selbst wenn sie das wollten, habe ich dafür so gar keine Zeit. Ich war gestern noch nicht mal in der Lage, mir für heute die Brote zu machen. Das passiert schon mal, wenn man einen langen Tag hinter sich hat. Ich war so verpeilt, am Morgen die Banane einzustecken. Dafür habe ich mir unterwegs etwas zu essen geholt. Wenigstens etwas. Zumindestens wurde mein Vater heute operiert. Doch er hat alles gut überstanden, wir haben kurz telefoniert. Mein Vater meinte am Morgen, daß er dann morgen schon entlassen wird, wenn alles gut ist. Das wäre natürlich ein Träumchen und das würde mich auch echt freuen, aber auf den Gedanken sollte man erstmal nichts geben. Ich bin an der Stelle auch ganz ehrlich: wenn er am Montag entlassen wird, ist das noch früh genug. Er soll es mal ruhig angehen lassen. Auf einen Tag mehr oder weniger kommt es doch jetzt wirklich nicht an. Es sei denn, daß der Arzt grünes Licht gibt, dann ist das was anderes. Das kann ich mir aber auch nicht vorstellen. Wir müssen jetzt ganz einfach nur abwarten, was die nächsten Tage bringen. Wenn wir das bis zum heutigen Tag geschafft haben, schaffen wir den Rest auch noch. Da bin ich ganz optimistisch. Und die Freude stellt sich dann bestimmt auch noch ein, davon gehe ich jetzt mal aus.

Dann freut man sich jetzt und am Ende kommt dann doch alles ganz anders. So ist das auch mit dem Urlaub. Wenn es danach gegangen wäre, wäre heute mein letzter Arbeitstag und morgen wären wir an die See gefahren. Was habe ich jetzt? Einen verschobenen Friseurtermin, ein Vater, der früher hätte zum Arzt gehen können, das aber nicht gemacht hat, zwei weitere Wochen im Büro und Chaos beim Nagelstudio. Alles sehr praktisch, muß ich schon sagen. Ich muß nur aufpassen, wo ich das sage, denn wenn ich mich negativ äußere, kriege ich das am Ende wieder aufs Brot geschmiert. Dann freue ich mich eben, daß ich den Friseurtermin verchieben mußte, daß mein Vater jetzt im Krankenhaus liegt anstatt im August, daß ich zwei Wochen länger ins Büro muß und daß ich mir nicht sicher bin, wann ich den nächsten Termin im Nagelstudio mache. Es muß niemand wissen, daß mich die aktuellen Umstände und Tatsachen einfach nur nerven. Ich mache das lieber mit mir selbst aus und fertig ist die Laube. Dann muß sich auch niemand genötigt fühlen, mir zu sagen, daß ich immer so negativ bin. Ich bin ein ganz schlimmer Finger, ich weiß.

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2025-09-12 13:15