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2008-04-28 16:39
Männer versuchen ihrem Tod wegzulaufen
Gerade komme ich von einer vierzig Kilometer langen Fahrradtour zurück, denn ich bin neben der AVUS (das ist die längste Autobahn Berlins, die über mehrer Kilometer immer nur exakt geradeaus führt)auf einer asphaltierten Strecke gefahren. Mir sind haufenweise alte Männer entgegen gekommen, die entweder völlig durchgeschwitzt joggten oder mich mit Inline-Skatern im superschnellen Tempo überholten. Und ich dachte mir so, was beeilen sich die alten Männer eigentlich so? Meinen sie etwa, sie schafften es so dem eigenen, nahem Tod davonlaufen zu können? Diese unangenehme Hektik von älteren Menschen erlebe ich auch immer im Supermarkt, wo sie sich nicht selten einfach vordrängeln, oder an roten Ampeln, die sie - insbesondere als Fahrradfahrer - einfach überfahren. Wenn das Vordrängeln zu dreist geschieht, packt es mich manchmal und ich rufe laut: "wir haben alle Verständnis dafür, dass sie sich vordrängeln. Sie haben es sicher so eilig, weil sie befürchten zu sterben bevor sie zu Hause sind." Das ist zwar etwas dreist, bewirkt aber zumeist, dass es diesen Alten wenigstens im Nachhinein ein bisschen peinlich ist, wie sie sich gerade benommen haben. Naja, das muss doch mal gesagt werden. Meine Fahrradtour führte mich heute zum Grunewaldturm hoch (ihr könnt ja mal googeln wo das ist), wobei der letzte Streckenabschnitt wirklich mörderisch ist, weil es unheimlich steil bergauf geht. Als Mann habe ich natürlich den Ehrgeiz nicht aus dem Sattel zu steigen und den Berg zu bewältigen. Ist mir heute geglückt - ich scheine doch ganz gut in Form zu sein, aber ich war ganz schön außer Puste und die Oberschenkel haben auch dezent geschmerzt. Oben am Grunewaldturm auf dem Berg angekommen, halte ich an und will gerade zur Wasserflasche auf meinem Gepäckträger greifen ... sie ist weg. Ich muss sie irgendwo unterwegs verloren haben und kann mich nun nach der großen Anstrengung nicht mal mit ein paar Tropfen Wasser erfrischen. Ein Polizist beobachtet meinen Ärger und spricht mich an: Kann ich ihnen helfen? Ich habe meine Wasserflasche während der Fahrradfahrt verloren. Tja, meint er Augenzwinkert, dann liegt also eine Umweltverschmutzungsdelikt vor. Moment. Es war doch nur Wasser drin. Was denn, Wasser. Ich fahre mit meinem Motorrad umgehend die Strecke ab und sehe, ob ich ihren Wasserschatz aufspüren kann. Derart humorvoll bildlich vom Polizisten in die Arme genommen, konnte ich meinen Wasserflaschenverlust schon etwas besser ertragen. Wir verabschiedeten uns freundlch voneinander und ich dachte mir so, schön, dass dieser Polizist so viel Humor gezeigt hat. Auf dem ziemlich hügelliegen Weg zurück über die Havelchaussee, dem Scholzplatz und der Heerstraße nach Charlottenburg, das ist der Stadtteil, in dem ich wohne, mache ich vor dem nächsten Supermarkt halt und hole mir ein kühles Bier, was ich relativ schnell austrinke und aufgrund der soeben erbrachten sportlichen Leistung auch schon sehr bald die alkoholische Wirkung spüre. War wohl keine so gute Idee mit dem Bier. Und beim Blick in den Spiegel liegt der Verdacht nahe, ich könnte mir bei meiner heutigen Fahrradsause einen kleinen Sonnenbrand im Gesicht geholt haben. "Mensch, du bist auch einfach zu empfindlich." Warum bist du nur so ein sensibler Kerl, der so vieles positiv erspürt und so vieles negativ potenziert erleidet? Es wäre wirklich ein leichteres Leben, wenn ich kein solches Sensibelchen wäre. TagsKommentare |
2008-04-28 16:39 |

