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2006-01-22 17:14
Praxis [nicht 9]
Ich schaue in mein diary und sehe, wie lange ich nichts geschrieben habe - nun, ich habe geschrieben, an anderen Orten, unfertig, wirr, obsessiv, wie es mir ging, das getraute ich mich viellleicht nicht, hier niederzulegen. Ich wollte auch keine "Zeit verschwenden". Schreiben war dann nicht mehr gleich schreiben. Ich bin ganz schnell wieder in das ergebnisorientierte Muster gefallen. Außerhalb meiner angefangenen Texte ist was ich tue Flucht vor der Konsequenz, Angefangenes zu beenden. Entgegen meines Vorhabens setze ich Wertmaßstäbe an meine Texte, denen ich selten genügen kann, aus Angst vernachlässige ich sie dann. Und ich will ihnen eine Struktur geben, die mein Leben nicht hat. Woher soll sie kommen? Wenn alles um mich herum in ungeordneten Wellen geschieht, nur beschränkt unter meinem Einfluß - warum sollte ich die Welten meiner Geschichten kontrollieren können? Gehört das alles wirklich zusammen, oder bastle ich wieder nur ein Verstehensmuster, das mich in Wirklichkeit hemmt? Immer dieser Gedanke, den ich Darius gegenüber erwähne: Etwas vorweisen können. Gegenüber wem? Prüft mich jemand? Hätte ich gerne jemanden, der prüft? Welche Voraussetzungen muß etwas erfüllen, damit es vorweisbar ist? Wer entscheidet? Ich freue mich, daß ich diese Fragen stellen kann, aber der Vorgang wird durch sie kaum gebremst. Bewußtmachen ist höchstens Schritt eins. Ich rufe am Montag meine Hausverwalterin an, damit jemand kommt, um die Heizung zu reparieren. Ansonsten lese ich Anna Seghers und bereite mich auf die Klausur vor. Wenn die Heizung repariert ist, spätestens, putze ich alles, dann kaufe ich ein Bett und eine Kommode und Kisten. Ich verkaufe meinen Computertisch. Dann, wenn wenigstens meine Wohnung etwas eher einem System ähnelt, gehe ich an die Struktur meiner Tage. Ich habe es satt, die Kontrolle an meine Kissen abzugeben. A bientôt. Loewin current mood: relativ optimistisch current music: Of The Wand And The Moon, Algir Naudir Wunjo TagsKommentare |
2006-01-22 17:14 |
danke. danke.
ich finde, meine geschichte hat es verdient, fertig zu werden, und meinen leserInnen möchte ich eine fortsetzung auch nicht vorenthalten. muß nur irgendwie über den toten punkt hinaus. sie ruft ja auch nach mir. ich will mir außerdem selbst zeigen, daß ich eine geschichte beenden kann, wenn ich will. daß ich vielleicht doch in absehbarer zeit bücher schreiben kann, woran ich lange nicht mehr geglaubt habe - erst wieder seit sommer.
ich finde auch nicht, daß bücher schreiben einfacher ist als gedichte und kurzgeschichten. es ist wohl eher so, daß es schwieriger ist, etwas wirklich gutes zu schreiben als irgendwas, egal in welchem genre.
lore, ich hab mich über diesen kommentar wirklich gefreut. danke dir.
oponn: da wollten wir uns ja ohnehin zusammenschließen, nicht? tun wirs!