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Tagebuch Napo
2008-06-10 15:25
Die tote Biene im Bad
Gerade zum Leben erwacht. Typische Zeit für mich. Sonne scheint. Eigentlich sollte man draußen sein. Im Schwimmbad, am See, auf Wiesen in Parks mit anderen Leuten, die eventuell ein Paar Freistunden zwischen den Vorlesungen haben. Bin theoretisch noch Student, praktisch allerdings so gut wie nie anwesend. Verschlafe ständig, hab keine Lust. Die letzten beiden Semester waren so ziemlich die Unproduktivsten bisher.. und die Teuersten. Glücklicherweise scheinen Politiker die Abschaffung der Studiengebühren in Hessen durchgeboxt zu haben. Ein gutes Omen. Kein Leistungs- und Zeitdruck mehr. Vielleicht die Aussicht auf ein produktiveres nächstes Semester. Ein Denkschemata, in das ich oft verfalle: "Morgen ist auch noch ein Tag, nächstes Semester ist auch noch ein Semester, mit dem Rauchen aufhören kann ich immernoch, morgen räum ich das Zimmer auf etc." Manchmal bereitet mir das Denken an die Zukunft Sorgen und Ängste, resultieren aus der Ungewissheit jener. Das geht dann soweit, dass nicht mehr über die Zukunft an sich nachgedacht wird, sondern nur noch an ein spezielles Ereigniss: der Tod mit allem was (nicht) dazu gehört. Ist man lieber vorbereitet darauf? Täglich gefasst und guter Dinge, jederzeit seinem Schöpfer gegenüber zu treten, welcher einen vermutlich kopfschüttelnd im himmlischen Paralleluniversum empfängt, von einer Wiedergeburt aus Gründen der offensichtlichen Geringschätzung des Lebens absieht und sich ernsthafte Gedanken über das weitere Verfahren mit der betroffenen Seele macht? Der Versuch mit dem Tod unbewusst und regelmäßig zu rechnen führt zu gedanklichen Horrorsezenarien in alltäglichen Dingen, wie Busfahren oder Treppensteigen. Habe vermutlich so eine Art Bienennest im Bad. Die Viecher kommen ständig irgendwo her, obwohl das Fenster zu war. Hab schon manche von denen zwischen den Brettern der Dachschrägen-Verkleidung verschwinden sehen. Zum Glück eine Art, die dich nicht mit einem Stich in das nächste Krankenhaus befördern kann. Die Biene, die ich gestern Mittag dort quicklebendig vorgefunden hab, war den Abend darauf tot und steckt momentan mit dem ganzen Zahncremerotz und Haaren zusammen in dem Abflussfilter vom Waschbecken. Nicht mal die anpassungsfähigsten Lebenwesen schaffen es mit meiner Umgebung fertig zu werden. Denke an die hirnlose Fliege von vorgestern abend, die nach gemächlichem In-meinem-Zimmer-rum-summen irgendwann in der mit gefühlten 1000°C brennenden Schreibtischlampe landete, daraufhin ständig wie behämmert gegen den Monitor raste und schlussendlich aus Erschöpfung einfach wie tot auf den Schreibtisch fiel. That's life. Werde wohl oder übel heute wieder versuchen etwas Geld beim Pokern zu verdienen.. bis ich mich wieder dermaßen über meine Gegner und deren scheinbaren Kartensegen aufrege, dass ich sie kurzerhand über das Internet erwürgen würde, wenn ich es denn könnte. Mir fehlen in letzter Zeit einfach die Geduld und die Nerven für das Spiel. Mir fehlen die Nerven für so Einiges andere auch.. die Geduld nicht, wie sollte sie auch, es passiert ja nichts. TagsKommentare |
Napo Offline
Mitglied seit: 23.09.2004DE mehr... 2008-06-10 15:25 |
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