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Tagebuch PetraM
2017-02-18 13:55
Fr. 17. Febr. 2017
Im Moment geht es mir seelisch nicht so gut. Ein heftiges Auf und Ab zwischen Weinen und Lachen. Dem Freund meiner Mutter geht es so schlecht. Am Donnerstag war noch ein Physiotherapeut bei ihm, hat mit ihm kleine Übungen für Arme und Beine gemacht. Er sollte ja in 2 Wochen nach Hause kommen. Am Freitag morgen bekam er so heftige Bauchschmerzen, dass er nur noch am schreien war. Ab in den OP. Der Bauch wurde aufgemacht. Die Narbe/Naht der letzten Darm-OP hatte sich etwas gelöst. Dabei wurde festgestellt, dass der gesamte Bauchraum über und über voller Krebs und Metastasen ist. Diese müssen seit Monaten gewachsen sein. Er war immer (seit dem Krebs im Oktober 2015) zur Kontrolle, regelmäßige Blutabnahmen, Darmspiegelungen und auch Röntgen- sowie MRT-Untersuchungen. Alles ohne Befund. Mit diesem Krebs im Bauchraum hat er jetzt gar keine Chance mehr. Nach der OP am Freitag wurde er mit Morphium vollgepumpt. Von dieser OP ist er bis jetzt noch nicht wieder wach geworden. Meine Mutter hat mir gerade eine SMS geschrieben. Aktuell liegt er im Koma. Sie wissen noch nicht, ob er wieder aufwacht. Und wenn, dann kann er nur noch mit starkem Morphium leben. Vor rund 2 Wochen hieß es noch Darmkrebs und Lungenmetastase, nach den OPen ist er soweit wieder gesund. Vor einer Woche hieß es Krebs im fortgeschrittenen Stadium, aber immer noch eine Lebenserwartung von bis zu 5 Jahren. Und heute heißt es, dass er dieses Wochenende wohl nicht mehr überleben wird.... Meine Mutter ist fix und fertig, steht völlig neben sich. Sitzt jetzt entweder nur noch an seinem Bett oder zu Hause und starrt an die Decke. Sie weiß noch nicht, wie es weitergehen soll. Sie war ja noch nie alleine. Sie tut mir so unendlich leid. Auch wenn ich mich mit ihm noch nie so gut verstanden habe, trotzdem tut sie mir total leid. Die Beiden sind immerhin auch schon seit 25 Jahren zusammen. Wir beide hatten halt viele Streitgespräche. Er ist zum einen ein heftiger Meckerhannes, sieht in allem und überall nur das Negative. Egal, was ich schön finde, worüber ich mich gefreut habe, er fand an allem was negatives, worüber er meckern konnte. Das nervte immer total. Außerdem ein totaler Besserwisser. Hat von wenig eine Ahnung, mischte sich immer in alles, in unser Leben total ein, wollte alles (auch Urlaube, Wohnungseinrichtung usw.) Besserwissen, uns immer Vorschriften machen. Und alles, worüber wir lachen konnten, fand er total doof und langweilig. Wir passten einfach charakterlich nicht zusammen. Trotzdem haben wir ihn immer an der Seite meiner Mutter akzeptiert (sie musste schließlich mit ihm klar kommen) und haben die Beiden regelmäßig besucht, also waren auch zu seinem Geburtstag dort. Ja, und jetzt tut mir meine Mutter so unendlich leid. Dann habe ich am Freitag Abend noch eine Diskussion bei Facebook, also unter meinen Freunden ausgelöst. Also unter meinen früheren Schulfreundinnen/Klassenkameraden, mit denen ich darüber in Kontakt bin. Ein Lehrer war ja jetzt vor Gericht. Eine Klasse hatte "Mist" gebaut und sollte deswegen eine "Strafarbeit" schreiben. Der Lehrer stellte sich in die Türe. Erst wenn die Arbeit (auch nach dem Schulgong) fertig ist, die Schüler abgegeben haben, dann dürften sie gehen. Ein paar Schüler sahen das als "Freiheitsberaubung" und riefen per Handy die Polizei, zeigten den Lehrer an. Nun gut, der Lehrer wurde freigesprochen. Ich fand das gut. Ein bisschen mehr Respekt den Lehrern gegenüber kann manchen Schülern nicht schaden. Nun gut, meine früheren Schulfreundinnen, die selber Kinder haben, waren darüber ganz anderer Meinung. Von denen konnte ich mir (auch per Mails und privater Nachrichten) so einiges anhören, wie frech und respektlos manche Lehrer den Schülern heutzutage gegenüber sind. Natürlich gibt es auch negative Lehrer. Das ist ganz klar. Aber Strafarbeiten und Nachsitzen gab es schon zu unserer Zeit. Und wenn die Schüler frech werden, ständig den Unterricht stören usw., dann müssen die Lehrer halt auch mal durchgreifen. Ich hätte die Nerven sowieso nicht, dann ruhig zu bleiben, nicht zu schreien usw. Ja, und wenn sie dann eine Strafarbeit aufgeben, was den Schülern inhaltlich (vom lernen her) ganz bestimmt nicht schadet, dann finde ich es gut. Aber anstatt daraus zu lernen, also ich habe einen Fehler gemacht, muss deswegen diese Strafarbeit schreiben, wollen sie dem Lehrer zusätzlich eins "reinwürgen" und rufen die Polizei. Also das scheint wirklich ein Thema zu sein, das man von verschiedenen Ansichten sehen kann. Ich möchte heutzutage kein Lehrer mehr sein (ganz früher, mein erster Berufswunscht, war ja Grundschul-Lehrerin, woran ich heute nicht im geringsten mehr denke). Sicher gab es immer schon freche und vorlaute Schüler. Aber trotzdem finde ich, dass es immer schlimmer wird. Vielleicht auch daran, dass die Mütter heutzutage wieder viel früher Arbeiten gehen müssen. Früher waren die Mütter über Jahre zu Hause, konnten sich um die Kinder, um die Erziehung kümmern (auch was Freundlichkeit und Höflichkeit betrifft). Aber heutzutage müssen die Mütter (aus finanziellen) Gründen ja früh wieder arbeiten gehen, die Kinder kommen oft schon noch mit Windeln in den Kindergarten. Und eine Kindergärtnerin kann in einer Gruppe nunmal nicht die ganze Erziehung der Eltern übernehmen. Aber anstatt die Schüler ihren Fehler (in diesem Fall) einsehen, vielleicht mal ruhig und vernünftig mit dem Lehrer reden, sich vielleicht auch mal für falsches Verhalten entschuldigen, rufen sie sofort die Polizei. Nein, so ein krasses Verhalten kann ich nicht verstehen. Egal, was meine früheren Schulfreundinnen, mit denen ich (außerhalb von Facebook) eh keinen Kontakt mehr habe, auch dazu sagen bzw. schreiben. So, jetzt muss ich mich startklar machen. Mein Freund hat Frühschicht, kommt gleich nach Hause, dann wollen wir Einkaufen fahren. Heute Nachmittag steht dann wieder Haushalt und Sport auf dem Programm. Am Freitag Abend habe ich mit meiner Mutter telefoniert. Sie erzählte mir von der Hiobsbotschaft, dass der ganze Bauchraum voller Krebs sei. Mittags bekam ich von ihr eine SMS, dass ihr Freund im OP ist. Ich fragte warum und sie antwortete nur, ruf heute Abend an, dass erzähle ich dir alles. In dem Moment war mir wieder klar, dass was negatives passiert war. Den ganzen Nachmittag war ich etwas durch den Wind und nervös, was jetzt neues passiert sei (weil es ja, wie gesagt, zunächst hieß, jetzt beginnt die Physiotherapie, damit er in 2 Wochen wieder nach Hause gehen kann). Ja, und nach diesem Telefonat war ich dann so durch den Wind, dass mir die Tränen kamen. Der Abend war gelaufen. Abends habe ich nur noch 2 panierte Hähnchenschnitzel gegessen, dazu ein paar Weintrauben. Das ganze ist mir auch mächtig auf den Magen geschlagen. Kommentare |
PetraM OfflineDE 2017-02-18 13:55 |
Schon schlimm dieser Krankheitsverlauf und die Negativ-Perspektive. Deiner Mutter alle Kraft in diesen schweren Tagen und Stunden, auch für das Kommende
Und wie @monalila und Du bin ich auch der Meinung, dass die Schüler einfach ihren Teil des Schulvertrags erfüllen sollten und "liefern", zu ihrem eigenen Nutzen. Ich kenne selbst eine Lehrerin, die frühverrentet wurde, weil sie's einfach nicht mehr ausgehalten hat
Good luck !