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Tagebuch rispe
2022-06-25 21:50
Herkunftseffekt ausgetrickst
So, heute ist ein Tag, an dem Schreiben sich lohnt. Die B.A.-Arbeit ist fast fertig, nur noch die letzen Feinarbeiten. Ich lass gerade die letzte 7 Jahre Revue passieren. 7 Jahre lernen, Helfer-Ausbildung, Fachkraft-Ausbildung, Studium begonnen und in der Pandemie dank online-studieren einfach ein Zweites mit drauf gesetzt.Zwei gleichzeitig studiert. Wenn ich es von außen betrachten würde, würde ich sagen, verrückt. Aber ich kann das nicht. Wahnsinn, wie einen das Leben prägt, Selbstbewusstsein, dass in Kindheitstagen verloren ging, lässt sich wohl schwerlich nachholen. Und klar weiß ich, dass ich beide Studien mit einem 1er-Schnitt beenden werden, dass trotz 3 Kinder (gut, die eine ist mehr Unterstützung als unterstützungsbedürftig), drei Hunden, Häuschen, und jede Menge Katzen. Ich glaub ich sollte mal beginnen stolz auf mich zu sein. Doch wo lern ich das. Job ist mir auch einfach so zugeflogen (und wieder mal schmälere ich mein Schaffen :)). Ich wurde von der Firma angerufen und angefragt, völlig ohne Bewerbung, nur aufgrund eines zurückliegenden Praktikums und komme in eine Führungsposition. Gestern dass letzte Gespräch mit dem Prof geführt. Und er meinte auch, seien sie doch mal etwas selbstbewusster bzgl. ihrer Leistungen. Ich rechtfertige alles was ich gemacht habe, mit dem sogenannten Fahrstuhleffekt. Ein Kind armer Herkunft, hat es zumindest zu einem niedrigen Titel geschafft. Vorhin kam mir der Gedanke, dass meine damalige Schulfreundin (mit der ich natürlich nicht mehr in Kontakt bin) inzwischen Professorin ist, dass ihre Familie sehr vermögende Firmenbesitzer waren. Ich hab länger gebraucht überhaupt was gebacken zu bekommen. Meine Kindheit war schwierig, nein, sie war voll Gewalt, was keine lernfreudige Atmosphäre schafft. Die Klarheit, die ich inzwischen dank soziologischer Perspektiven bekommen habe, was Herkunftseffekte etc. angeht, bin ich sehr dankbar. Dadurch habe ich gelernt, einfach Dinge zu sehen, wie sie eben sind ohne Zorn oder Neid. Es ist wie es ist. Und wer weiß, so ganz sicher bin ich mir nicht, ob mein Lernweg wirklich ganz zu Ende ist. Meine Tochter bezweifelt es. Ich bin inzwischen ein leidenschaftlicher Lerner. In meiner Schulzeit wurde das verkannt. Durgerasselt vom Gym bis zur Hauptschule, selbstbewusstseinsbefreit. Kein Gedanken irgendwann noch mal studieren zu können. Und auf steinigen Weg das zurückgeholt, was mir eigentlich zugestanden hätte... Ich weiß nicht wie sich das jetzt liest. Ich hoffe nicht zornig. Und wie bei einer Oscar-Rede: Ich danke vor allem meiner Familie, dass sie das so lange mitgemacht haben. Keine Wochenenden, Mama hat gefühlt einfach ständig gelernt. Kommentare |
rispe Offline
Mitglied seit: 12.11.200548 Jahre, DE 2022-06-25 21:50 |


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