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2010-01-04 18:31
Abgebrannt...
Vorgestern Nacht hat es bei Felix' Eltern gebrannt. Felix und ich saßen oben auf dem ausgebauten Dachboden und haben noch einen Film geschaut. Irgendwann hörten wir ein flackerndes Geräusch, sahen die Flammen, Felix schrie "Baby ES BRENNT" und wir sprangen durch die (kaputte) Dachbodenklappe nach unten, ich nur in Top und Unterwäsche, Felix mit seinem Laptop in der Hand, den er irgendwie noch gegriffen hatte. Seine Eltern kamen im Schlafanzug aus ihren Zimmern, seine Schwester war mit dem Hund im Wohnzimmer. Wir habens alle nach draußen geschafft, 5 Minuten später stand der Dachstuhl bereits komplett in Flammen. Ich hab den Hund zu den Nachbarn geschafft (beide rennend, plötzlich war sie so brav...), während Felix' Vater irgendwie nach hinten rannte um das Feuer zu löschen, Felix hinterher, um ihn notfalls zu schlagen und zurückzuschleifen, ich wiederum hinterher, um Felix notfalls zu schlagen und zurückzuschleifen. Außer einer Brandwunde ist letztendlich wenigstens gesundheitlich keinem von Beiden was passiert. Für das Haus kam jede Hilfe zu spät. Die Feuerwehr brauchte aus unerfindlichen Gründen 30 Minuten. Wir standen gemeinsam mit ca. 30 Nachbarn am Haus und sahen zu, wie zuerst das Dach, der Dachboden, dann die komplette erste Etage abbrannten. Die Feuerwehr konnte dann nur noch die Reste des Hauses löschen, wobei ein weiterer Großteil durch das Wasser zerstört wurde. Hätten wir geschlafen, wären wir nun alle tot. Hätten wir das Feuer nicht bemerkt, wären wir alle tot. Was genau passiert ist, weiß niemand. Möglicherweise eine Gasexplosion, vielleicht auch Brandstiftung. Jedenfalls ist vom Haus nahezu nichts übrig. Einige Papiere aus den Arbeitszimmern konnten herausgeholt werden, dazu ein paar Möbel aus dem Wohnzimmer, die das Wasser nicht komplett zerstört hatte. Wir alle standen unter Schock, vor allem Felix' Vater, dessen Lebenstraum dieses Haus war. Er hat in den letzten 5 Jahre jede Minute damit verbracht, daran zu arbeiten, hat 2 Balkons und eine Terasse gebaut, mehrere Anbauten selbst geplant uns ausgeführt. Das Haus war voller Erbstücke, uralter Bücher, Erinnerungen. Es war nicht "irgendein" Haus. Natürlich wird die Versicherung den gesamten Schaden übernehmen, aber DIESES HAUS ist einfach weg, innerhalb einer Stunde verbrannt. Die Vorstellung will mir immernoch nicht in den Kopf. Felix ist noch bei seinen Eltern geblieben, ich wurde direkt am nächsten Morgen von meinen Eltern abgeholt, wollte dort nicht zur Last fallen und stand absolut unter Schock. Außerdem hatte ich weder meine Sachen (nicht mal eine Hose...), noch meine Papiere, Handy, irgendwas. Alles verbrannt. Wobei es mich natürlich am wenigsten trifft. Und schon bei mir beträgt der Schaden über 1000 €. Heute war ich mit meiner Mutter das Nötigste einkaufen. Dummerweise hatte ich natürlich die meisten meiner schönen und neuen Sachen mitgenommen, da ich ja ein paar Tage bei Felix' Eltern war. Wir haben dementsprechend eine neue Handtasche, eine Jeans, 2 dicke Pullover, 5 T-Shirts, eine kleine Reisetasche, Kosmetik im Wert von 50 € Stiefel, einen Schal, Handschuhe, einen Terminplaner und das Buch, was ich gerade gelesen hatte, besorgt. Morgen muss ich dann einige Behördengänge erledigen, einen neuen Ausweis beantragen, eine neue EC-Karte, einen Studentenausweis, ein Semesterticket. Ein Handy bekomm ich gottseidank billig über meinen Vater, das wäre ja sonst auch nochmal teuer geworden. Zahlt ja alles die Haftüflichtversicherung, aber natürlich erst ne ganze Weile später. Das hat mich heute zumindest alles gut abgelenkt. Ich muss ständig an Felix denken, daran, wie schlecht es ihm und seinen Eltern jetzt gehen muss, an Sophies Instrumente, die verbrannt sind, an die alten wunderschönen Möbel, an dieses wunderschöne Fachwerkhaus, an die schönen Stunden am Kamin und oben auf dem Dachboden, eingekuschelt in Decken beim Film gucken, ans "Siedler" spielen eine Stunde bevor das Feuer ausbrach, an Felix' Vater, den man zum ersten Mal in seinem Leben weinen sah, an seine Mutter, die so unheimlich gefasst blieb, daran, wie Sophie die Feuerwehrleute anschrie, daran, wie sehr Felix um seinen Vater besorgt war, wie erwachsen und vernünftig er plötzlich wirkte. Ich wäre so gern bei ihm, aber wahrscheinlich wäre ich nicht nützlich gewesen, sondern hätte alles eher behindert. Hier kann ich mich immerhin darum kümmern, dass wir beide wieder Wohnungsschlüssel bekommen. So etwas passiert sonst nur im Film. Ich hatte so unheimliche Angst, dass uns etwas passieren würde, dass FELIX etwas passieren würde. Die nächsten Tage werde ich erst einmal noch bei meinen Eltern bleiben. Den Schock verarbeiten. Mir ist nichts verlorengegangen, was man nicht ersetzen könnte, ich bin nicht traurig darüber, dass meine Sachen verbrannt sind. Es hat mir allerdings auch keine Freude bereitet, heute mit meiner Mutter einkaufen zu gehen. So viele Sachen auf einmal, innerhalb von 4 Stunden zusammengekauft, schön zwar, aber ich habe mich so schlecht gefühlt. Ich bin "shoppen" gegangen, während Felix ganz andere Probleme hat. Aber es war nötig, natürlich hat meine Mutter da recht. Wir haben hier tiefen Schnee, da kann ich nicht im dünnen Pullover und in Turnschuhen/Ballerinas aus dem Haus gehen. Ich brauchte dicke Pullover und Stiefel, ich brauchte auch Unterwäsche, Strümpfe und T-Shirts zum drunterziehen, es ist ja fast alles verbrannt. Kranke Scheiße. Felix hat gestern aus der Pension angerufen, will sich auch heute noch einmal melden. Ich hoffe, dass er in den nächsten Tagen zurückkommt. Kein guter Start ins neue Jahr... Kommentare |
2010-01-04 18:31 |