|
Alle » News, Bilder, Videos - Online
Alle
2006-05-15 11:15
Fake
Jeder kennt vielleicht Menschen von denen man sagt, sie würden Geschichten erfinden, sie würden immer übertreiben, sich oder angebliche Sachverhalte verzerrt darstellen. Diese Menschen wirken nicht glaubwürdig und automatisch glaubt man Ihnen gar nichtst oder nur einen bestimmten Prozentsatz. Diese Einschätzung wird durch das persönliche Auftreten dieses Menschen meistens noch bestätigt, sein zu selbstsicheres Auftreten, die Fülle an Details in den Geschichten, die man nie nachprüfen kann. Oft handeln diese Geschichten auch noch von anderen Menschen. Es sind gesprochene Tratschgeschichten, Regenbogengeschichten aus der kleinen Stadt, aus dem Viertel, aus der Nachbarschaft. Es sind oftmals Geschichten, die Betroffenheitsgefühle auslösen sollen, Krankheitsgeschichten, Kriminalgeschichten, Beziehungsgeschichten, Geldgeschichten.......Es handelt sich um sensationelle Neuigkeiten, die bei der Zuhörerschaft die gewünschte Reaktion hervorrufen sollen und dem Erzähler das Gefühl geben, mir wird zugehört, ich bin wichtig. Diese Erzähler möchten gerne wichtig sein. Und sie wissen: Je sensationeller meine Geschichte um so wichtiger bin ich. Aber der Zuhörer spürt diese eigentliche Intention des persönlich Anwesenden Geschichtenerzählers und er hört zu mit einer inneren Distanz. Für die Geschichtenerzähler gilt, wer kein eigenes Leben hat, wer eine gwissen Leere und Unausgefülltheit in seinem Leben spürt, der füllt dieses Vakuum entweder durch die sensationlle Übertreibung seiner Geschichten über die Anderen oder er greift zu der Möglicheit sich selbst sensationell zu übertreiben oder sogar im Extremfall sich selbst neu sensationell zu erfinden. Das perfekte Medium für dies sensationelle Selbsterfindung ist der anonoymie körperlose virtuelle Raum. Keine Geste, keine gehörte, keine gesehene, keine gerochenen Information über den sensationelle Gerschichtenerzähler könnte ihn verdächtig machen, könnte Zweifel erregen. Das Tagebuch, der Chatroom, sie sind die perfekte Bühne für eine sensationelle Selbsterfindung, man steht im Rampenlicht ohne Lampenfieber, man spielt die Hauptrolle, führt Regie, schreibt das Drehbuch. Man inszeniert sich selbst, um die Leere im "wahren " Leben zu kompensieren. Man erfindet sich neu, erfindet den Menschen, der man wirklich sein möchte, ein Mensch der eine "Rolle" spielt im virtuellen Leben. Der virtuelle Raum ist ein Raum, der es erlaubt ein anderer, ein wichtiger Mensch zu sein, der virutelle Raum ist kein Raum der Wahrhaftikeit, er ist die perfekte Bühne und jeder der hier liest sollte das im Hinterkopf haben. Glaubwürdikeit entstehe erst, wenn man eine Person in seiner Gesamtheit kennengelernt hat, ihn gesehen hat, ihn gesprochen hat, ihn in seinem Lebensumfeld kennengelernt hat, wirklicher Erfahrungen mit diesem Menschen gemacht hat. Der virtuelle Raum lässt diese Möglichkeit der Erfahrung nicht zu und genau deshalb ist er auch ein Raum der Lügen, der Scheinwahrheit, des Spiels mit der Identität, der Schaffung vieler und neuer Identitäten. Die Menschen, die hier schreiben nutzen diese unendliche Freiheit der Erschaffung einer Wunschidentität, sie hungern nach den Reaktionen der anderen, nach Aufmerksamkeit, nach Liebe, nach Gefühlsreaktionen, die sie im wahren Leben vermissen. Der erfundene Tod ist dabei natürlich ein Garant zu Erregung von Aufmerksamkeit. Ich kann nur jeden empfehlen die Distanz zu den Geschichten des Netzes zu wahren, sie ernst zu nehmen, aber eben als das zu sehen, was sie sind: Geschichten. Wer glaubt, dies wäre verantwortungslos, der darf hier nicht sein oder er muss die Menschen hinter den Tagebüchern versuchen persönlich kennen zu lernen. TagsKommentare |
2006-05-15 11:15 |