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2026-01-22 12:00
Gesundheit gibt es nicht beim Arzt

Im Krankenhaus gibt es die Gesundheit aber auch nicht. Zu der Erkenntnis durfte ich gestern kommen. Ich habe echt gedacht, daß es jetzt so langsam bergauf geht und mein Vater in der kommenden Woche vielleicht nach Hause darf, aber es kam leider ganz anders. Gestern hatte er die Untersuchung am Herzen. Mit dem Ergebnis, daß er ein Loch in der Herzklappe hat. Und da das unbedingt gemacht werden muß, wird er auch noch länger im Krankenhaus bleiben. Man muß sich nur noch einig werden, in welchem Krankenhaus das gemacht wird. Die Rede war von Duisburg, weil er 2024 dort zur Katheteruntersuchung war, aber mein Vater will lieber nach Essen. Das muß man abklären. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, hat die Ärztin zu meinem Vater gesagt, daß er das mit der Herzklappe nicht will. Das kann ich mir nicht vorstellen, aber nun gut. Mein Vater hat nur mal erwähnt, daß er vor der OP Angst hat. Als er 2024 die Untersuchung hatte, hat man ihm gesagt, daß er zwar irgendwann mal eine Herzklappe braucht, aber es sei noch nicht so eilig. Zwischen Dezember 2024 und Januar 2026 liegen ja nun doch ein paar Tage. Ich weiß echt nicht, wo die Reise hingeht und wenn ich ehrlich bin, ist mir das auch momentan so was von egal. Ich kann nur mit Bestimmtheit sagen, daß mich die ganze Situation wahnsinnig mitnimmt. Ich esse kaum noch was und wenn ich doch mal was esse, muß ich direkt zur Toilette. Das ist mit Sicherheit auch nicht gesund, aber nun gut. Was soll ich denn machen? Ich kann doch auch nichts dafür, wenn mir das so auf den Magen schlägt. Ich könnte natürlich auch zum Arzt gehen und mich krank schreiben lassen, aber ich bin auf der anderen Seite auch froh, daß ich im Büro ein wenig Abwechslung habe. Das ist ganz einfach so.

Ich muß in der nächsten Woche sämtliche Arzttermine von meinem Vater absagen. Am 02.02. und am 03.02. hat er seinen Termin beim Hausarzt, am 03.02. ist dann noch der Termin beim Augenarzt. Das wäre nicht so wichtig. Das ist mir neu. Wenn das nicht so wichtig ist, kann man Vater in der kommenden Woche zu seinem Hausarzt laufen und die Termine selbst absagen. Gleiches gilt für den Augenarzt. Mir wäre es auch lieber, mein Vater wäre nicht im Krankenhaus und er könnte diese Termine wahr nehmen. Ich kann mir auch schönere Dinge vorstellen, als meinen Vater jeden Tag zu besuchen. Und wenn ich schon jeden Tag ins Krankenhaus fahre, habe ich eben auch Terminabsagen an der Backe. Ich mache das ja gerne, aber im Grunde ist das für mich auch Streß. Mein Vater wartet ja nur darauf, daß ich jeden Tag komme. So kann ich dann wenigstens die Sachen aufheben, die er runter schmeißt. Aber was soll ich dazu sagen? Nichts, denn dagegen komme ich eh nicht an. Irgendwie ist eh alles doof. Das Bild vom Fernsehen ist bescheuert, man kann nicht richtig gucken. Anstatt sich den Fernseher so zu drehen, daß es für ihn paßt, meckert man lieber rum. Mit dem Telefon ist das nicht anders, das ist alles viel zu leise. Ach ja, ich flüstere ja nur, wenn ich was sage. Vor allem habe ich heute am Morgen geflüstert. Ich habe regelrecht in den Hörer gebrüllt, damit er was versteht. Mal gut, daß ich das Büro heute für mich habe.

Mein Vater gibt ja selbst zu, daß er mit den Hören Probleme hat. Er weiß auch, daß er deswegen mal zum HNO gehen sollte. Er geht aber nicht, weil er keine Lust hat, sich so lange ins Wartezimmer zu setzen. Dann sitzt er eben lange im Wartezimmer, na und? Er ist Rentner und er hat Zeit. Wo ist also sein Problem? Ich habe keinen blassen Schimmer. Jetzt mal ehrlich: er liegt doch jetzt schon seit zwei Wochen im Krankenhaus. Aber das ist ja was anders. Wenn er kein Hörgerät haben will, kann ich das irgendwo verstehen, aber dann soll er zum Arzt gehen. Wenn er das regelmäßig macht, ist das mit dem Hören auch besser. Ich spreche da aus Erfahrung. Aber mein Vater macht sich das verdammt einfach. Es ist ja auch so viel bequemer, wenn ich mir jeden Tag wie eine Gestörte die Lunge aus dem Leib brülle. Daß ich gezwungen bin, ein Sauerstoffzelt bei mir zu tragen, ist ja völlig egal. Ich bin froh, daß mein Vater die Sache mit dem Darm so gut überstanden hat und er sich jetzt nicht die Radieschen von unten angucken muß. Aber in solchen Momenten könnte ich meinen Vater einfach nur schütteln, damit er mal was merkt. Ob ich was damit erreiche, weiß ich nicht. Vielleicht normalisiert sich das alles irgendwann wieder.

Von den Nachbarn scheint sich niemand dafür zu interessieren, wie es meinem Vater geht. Was soll man auch erwarten, wenn sich ein Nachbar so bescheuert anstellt, mir einen Kasten Wasser zu holen. Wobei sich der besagte Nachbar gestern per WhatsApp erkundigt hat, wie es ihm geht. Da hätte man ja auch sagen können, daß man ihn mal besuchen geht. Er muß nicht für eine Woche bleiben, 10 Minuten würden schon reichen. Vielleicht erwarte ich da auch zu viel. Letzte Woche hat W. gemeint, daß ich ihn jeden Tag anrufen und berichten soll, wie es meinem Vater geht. Mein Vater sei nämlich sein einziger Freund. Wenn das so ist, warum ruft W. nicht mal an? Er hat genau so ein Telefon wie wir auch, von daher sollte das doch kein Problem sein, mal kurz anzurufen. Aber wenn so ein blödes Fußballspiel im Fernsehen übertragen wird, dann kann man zum Hörer greifen und anrufen. Diese Logik muß man nicht verstehen. Was dann wahrscheinlich doch an meiner Haarfarbe liegen mag, ich enthalte mich an der Stelle.

Kommentare

14:19 22.01.2026
Kopf hoch
Erst mal sieht es ja wieder einigermaßen gut aus
Good luck!
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2026-01-22 12:00