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2006-01-06 16:30
leipzig essay teil 2
![]() seltsam ist, daß trotzdem alles in gewohnten bahnen laufen kann. wir gewöhnen uns an die löcher und stahlgiraffen an allen ecken und enden; irgendwann haben die leute aufgehört, neugierig über die bretterwand neben der karstadt-baustelle zu luken – vermutlich, als die archäologischen rettungsgrabungen beendet waren – und es meckert auch eigentlich kaum mehr jemand über die umgekrempelte stadt. was eigentlich der faktor war, über den ich reden wollte, ist auch der, der die le-bewohnerInnen noch beschäftigt: wann ist das alles fertig? wird es jemals fertig sein, oder werden wir ewig unsere wege an abhängen entlang suchen und in die gegenden laufen, in die keine straßenbahn mehr fährt? wir würden es verkraften. es würde uns irgendwann nicht mehr seltsam vorkommen. alles, was wirklich lästig bliebe, wäre der krach. mm. und die umwege. die kräne. also. die baustellen überhaupt. früher war alles besser und ruhiger und ebenmäßiger. ![]() dies ist das jahr, in dem alles seine vollendung finden soll. ziel: eindruck auf die fremden, die in massen in das ebenfalls neu renovierte fußballstadion strömen werden (wo es kein vegetarisches essen gibt, aber das ist ein anderes thema). wer ist dann unsere stadt? welchen charakter hat sie dann? all diese umstürze sind le’s markenzeichen geworden, auf verschiedenste art und mit verschiedensten interpretationen des begriffs. sie bedeuten, daß die stadt noch immer in bewegung ist. dabei spielt es keine rolle, ob die bewegung nach oben führt; was oben ist, bleibt in jedem der relevanten fälle ein streitpunkt. fakt ist: wir stehen nicht still und wollen nicht stillstehen. wir wollen unsere historische bedeutung für das neue jahrhundert transformieren. durch le fließen mehrere, ich glaube es sind drei, flüsse. zu großen teilen sind ihre flußläufe zu betoniert worden, zu irgendeiner zeit. während des wilden das-unterste-zuoberst-und-umgekehrt prozesses werden flußbetten wieder freigelegt. wie es wohl sein wird, rauschendes wasser neben dröhnender straßenbahn? prestigeträchtig? für mich, die ich am rhein aufgewachsen bin, gehört in die mitte jeder stadt ein fluß, und ich ertappe mich dabei, selbst hoffnungen in eine dieser bauaktionen zu setzen. warum eigentlich... ![]() ja. le ist kein in sich ruhender talkessel, der die neue bewohnerin mütterlich umfängt. le umfängt nichts und niemanden. le redet nicht als stadt. teile des ganzen sind faßbar, gebiete oder straßen können als heimat erkannt oder geformt werden. nicht aber das ganze, daß keineR kennt. le ist einfach kein ort. le ist viele orte, höhen, tiefen, rätsel, ebenen, werkzeuge, parks. le war, wuchs, schrumpfte wieder, le wird vielleicht sein aber sie ist nicht. nicht für mich jedenfalls. le, als bestes beispiel für meine literaturtheoretischen wirrgedanken, ist text, mehr als alles andere. text, der unendliche subtexte in sich aufnimmt, auch wieder ausspuckt, selbst zum subtext wird undsoweiter und alles durchläuft, was worten (oder tönen, bildern) je geschehen kann. le ist transformation. --------------------------------------------------------------- ![]() Photos![]() ![]() ![]()
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2006-01-06 16:30 |





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