sie war neunzehn
als sie nachmittags von der arbeit nach hause gerannt kam, hatte sich ihre welt aufs grausamste verändert.

der bombenangriff am 27. februar heute vor 65 jahren hatte das elterliche wohnhaus völlig zerstört.
eine verirrte luftmine hatte es getroffen.
wo am morgen noch ihre familie lebte, gab es nur noch ein loch und einen schuttberg.
mit geplatzten lungen waren alle "durch feindeinwirkung" gestorben:
meine großeltern/ihre eltern,
ihre schwester mit ihren zwei kleinen jungs, 4 und 2 jahre alt.
ihr kleiner bruder, 14 jahre alt,
mein urgroßvater.
„zum glück“ kam der tod wohl blitzschnell, keiner musste leiden. ein trost?
die sieben todesurkunden liegen bei mir

nun war meine tante plötzlich allein. ein 19-jähriges mädchen, das nur noch weinen und verzweifeln konnte.
mein vater, ihr bruder, verließ unerlaubt und heimlich seine einheit bei leipzig,
um ihr beizustehen und eine unterkunft für sie zu suchen.
seine vorgesetzten hatten bei seiner rückkehr am nächsten tag zum glück verständnis,
es gab keine probleme.
auch ihr zweiter großer bruder, der zur zeit des angriffs „an der front“ war, hat überlebt.
wie klein dagegen sind die probleme von heute.
meine eigenen. die der 19-jährigen mädchen heute ...
es wäre schön gewesen, wenn ich alle hier verstorbenen hätte kennenlernen können, meine familie väterlicherseits. so bleiben nur ein paar s/w-bilder.
kann man für die zukunft auf die menschliche vernunft hoffen?
wohl eher nein. der homo homini lupus bleibt wohl in uns lebendig.
und einen ewigen frieden wird es wohl nirgendwo geben.
auch nicht hier in diesen landen.
alles dauert immer nur eine zeit. auch der frieden. aber auch der krieg.
hoffen wir also auf das glück.
und dass wir und die, die wir lieben, von einem neuen krieg (oder neuen kriegen) verschont bleiben.
mit meiner tante telefoniere ich heute ...
Good luck!