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Tagebuch Sayu
2011-11-03 23:36
Alter
Irgendwie fühle ich mich angesichts meines herannahenden 24. Geburtstages bemüßigt mir ständig über das Alter und das Älterwerden Gedanken zu machen. Und diese Gedanken machen mich leider nur selten froh und zufrieden. Ich hab plötzlich das Gefühl, dass die Zeit rast und mir nahezu durch die Finger rinnt. Vielleicht gerade, weil mir so viele Umbrüche unmittelbar bevor stehen und mit sowas bin ich ja noch nie so recht klar gekommen. Ich bin ja sogar in Tränen ausgebrochen als ich von der zweiten in die dritte Klasse kam und ne neue Klassenlehrerin bekam. Das Studium neigt sich dem Ende zu und dabei hab ich das Studium doch immer als sowas wie verlängerten Welpenschutz gesehen. So ein Hauch der Kinder- und Jugendzeit hat da noch mitgeweht. Und auf einmal bläst einem der Ernst des Lebens so richtig fies ins Gesicht. Ich weiß, das ist jetzt grade wirklich Jammern auf höchstem Niveau. Ich kann mich ja immerhin glücklich schätzen, dass ich studieren durfte und mir dadurch ein paar mehr Türen offen stehen werden als anderen mit schlechteren Abschlüssen. Aber mann. Trotzdem. Meine Mama hat mit 24 geheiratet und ist schwanger geworden. Und ich...ich...weiß nicht. Irgendwie fühle ich im Moment manchmal so eine Art "Heimweh im Vorhinein" für wann ich dann nicht mehr zu Hause wohnen werde und hier mein Zimmer habe und alles. Weil...ich bin echt gerne zu Hause. Und das meine ich nicht als potenzielle "Schluss mit Hotel Mama"-Kandidatin oder so. Ich weiß nämlich auch, dass das auf Gegenseitigkeit beruht. Wir leben hier nicht mehr in so einem Mutter-Kind-Verhältnis sondern eher wie in ner Art Familien-WG. Meine Eltern und ich haben ein sehr enges und freundschaftliches Verhältnis, zumindest meistens. Mein Zuhause war immer so der Ort der Geborgenheit, an dem man immer sicher und gut aufgehoben war, egal welche Kacke wieder Mal am dampfen war. Und ich weiß, die Türen werden mir hier immer offen stehen, aber trotzdem wäre es einfach nicht mehr dasselbe. Und wahrscheinlich jammere ich einfach nur darum, dass eine Ära zu Ende geht und ich beim Vorangehen zwangsläufig etwas hinter mir lassen muss, wie das nun mal so ist. Ich tat mir damit schon immer schwer. Und trotzdem kann man nicht stehen bleiben und die Zeit zerrt einen weiter ob man will oder nicht. Ich kann meine Gedanken nicht davon abhalten in immer fernere und fernere Zukünfte zu wandern. Dann schlage ich mich mit Problemen herum wie "Wenn Fabi und ich mal zusammenziehen sollten, wo sollten wir denn dann wohnen?". Ich weiß nämlich, dass er bei sich zu Hause in der Gegend wohnen möchte. Als wir letztens gemeinsam nach Jobs für ihn geschaut haben, da hat er schon Stellenangebote ausgeschlossen, die zehn Minuten Fahrzeit mit dem Auto überschritten haben. Ach und ich weiß ja selbst wie lächerlich das ist mir jetzt schon solche Dinge zu überlegen. Und eine noch lächerlichere Zukunftsvision ist die, in der ich ne 80-jährige Oma bin und mir überlege wie lang ich wohl noch leben werde und mir ausrechne, dass das vielleicht an einer Hand abzuzählen sein wird in Jahren. Und über diese Vorstellung gerate ich jetzt schon in Aufruhr. Blöd, ich weiß. Trotzdem drängen sich diese Gedanken immer öfter auf. ... Und das alles wegen einem blöden 24. Geburtstag. Kommentare |
Sayu Offline38 Jahre, DE 2011-11-03 23:36 |

Fabi und ich wohnen schließlich eine gute halbe Stunde Fahrzeit auseinander. Und ich möchte eigentlich nicht so weit fort wohnen von meiner Familie (Ich will mit meinen Kindern mal später 'mal schnell zu Oma laufen' können, wenns mal soweit ist und nicht alle ins Auto packen und ne halbe Stunde fahren müssen).
Ich sollte erst mal sehen, dass ich mein Studium vernünftig zu Ende bringe und nen guten Job finde (und da weiß ich ja auch noch nicht wo das dann sein wird).
. Solche Gedanken drängen sich momentan auch immer öfters auf...