Big Brother's watching the grapes!
Hallo meine Lieben,
da bin ich endlich wieder 
Mensch, das waren vielleicht anstrengende Tage...!
Am Mittwoch Abend bekamen wir auch schon gesagt, dass wir am Donnerstag schon mit der neuen Arbeit anfangen könnten, wo ich mir eigentlich mal eine Verschnaufpause gewünscht habe, aber Kohle ist eben Kohle und darauf wollte ich nicht verzichten 
Also ging es Donnerstag Morgen um 9:20 Uhr los, um 10 Uhr fängt die Arbeit an. Und jetzt kommen wir auch zu meiner Überschrift "Big Brother's watching the grapes", denn wir mussten uns zunächst mal so komische gelbe Warnwesten UND eine Schutzhaube anziehen! Und dann wurden uns die Sachen erklärt, dass man auch nicht zu viel abschneiden dürfe, das Wasser muss im Pausenraum stehen und Handys sind strengstens verboten und falls jemand gegen die Regeln verstößt, gibt's erst mal eine Mahnung, aber beim zweiten Mal dann ist man weg vom Fenster und dass die es ja auch alles sehen würden, DENN es ist alles kameraüberwacht! Und da sah ich die Dinger auch schon, in jeder Ecke eine! Na gut, wenn's dem so ist.
Aber mit der Zeit war es nervig, als die Supervisors immer herum gelaufen sind und wie ein Lehrer hinter dem Rücken beobachtet haben, wie man die Trauben schneidet. Ist echt kein Witz!
Wegen dem Lohn sind wir noch nicht ganz sicher, aber wir sind eine größere Gruppe vom Hostel, die dort arbeiten und es gibt noch 5 andere Mädels, 4 Deutsche & eine Französin, die bekommen wohl alle 12$ die Stunde, also gehe ich mal davon aus, dass es bei uns nicht anders sein dürfte.
Na, jetzt kommen wir aber zum springenden Punkt: Gleich am ersten Tag durften wir 12,5h Stunden arbeiten! Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes einen halben Tag gearbeitet. Aber was soll's, es gibt eben Geld.
Freitag war schon ganz abwechslungsreicher. Zunächst regnete es wirklich aus den Eimern und zwar so stark, dass der Regen schon durch das Dach durchsickerte auf unsere Arbeitsfläche und dann musste die geräumt werden, da Grapes nicht nass werden durfte. Das war ein riesen Drama und kostete uns total viel Zeit. Als ob das nicht schon gereicht hätte, hatten wir kurze Zeit später auch noch Stromausfall für etwa eine halbe Stunde und somit lief gar nichts mehr. Und an dem Tag sind wir auch nicht mehr fertig geworden, aber haben um 22 Uhr Schluss gemacht, denn die Hälfte war einfach schon zu müde, obwohl es ja eigentlich geplant war, bis 1-2 Uhr etwa zu arbeiten. Also mussten wir Samstag morgen wieder früh aufstehen und den Rest vom Vortag fertig machen. Zum Glück kamen aber keine neuen Trauben, denn die Felder waren überflutet vom Regen.
Ganz lustig war auch der Hinweg zur Arbeit am Samstag Morgen. Es gab auf dem Weg eine Stelle, wo die Straße überflutet war und da stand eben die Polizei. Wir wurden angehalten und der Polizist meinte, der Fahrer solle doch bitte mal den Reifen anschauen. Bei der Arbeit angekommen, haben wir gemerkt, dass wir die ganze Zeit mit einem Platten gefahren sind!
Ich hoffte nur, dass ich heute ganz schnell wieder zurück kann - 14 Uhr fertig gewesen! 
Also wie ihr merkt, es hat wirklich viel geregnet und die ganzen Nachwirkungen waren heute deutlich spürbar. Sarah und ich wollten nämlich unser Gehalt abholen von der alten Farm und Tony, der Hostelbesitzer hat uns dann hingefahren. Auf dem Weg sahen wir Häuser, da stand das Wasser mindestens 20cm hoch und nebenan war ein Fluss. Also haben die ganzen Feuerwehrmänner das Wasser mit den Schläuchen in den Fluß gepumpt. Und dann auf der alten Farm sahen wir es: die ganzen Felder standen unter Wasser und auch hier wurden Schläuche angelegt, damit das Wasser in den Fluss gepumpt wird. Da habe ich mich wirklich gefragt, wie man nur als Farmer leben kann. Wo alles wetterabhängig ist? Die ganze Existenz vom Farmer hängt von dem Wetter ab. Scheiß Wetter, scheiß Ernte, wenig Geld... Naja. Letztendlich 'muss' es aber auch einer machen, damit jeder satt gefüttert werden kann.
Und generell ist das Wetter im Moment wirklich kalt. Heute Morgen hatten wir nur 11°C und ich habe mal wieder meine Jeanshose ausgepackt. Zudem bin ich heute auch in ein anderes Zimmer gezogen, also müsst ihr mit den Bildern vom Hostel noch warten. Das alte Zimmer habe ich mit zwei wirklich liebe Italiener geteilt, aber mit den einem in einem Hochbett zu schlafen, das war unerträglich. Er hat sich mehr bewegt, als er geatmet hat. Ich habe kaum ein Auge zumachen können und auf Dauer will ich ja mit Sarah das Bett auch nicht teilen, damit ich wenigstens ein wenig schlafen kann. Und bei Sarah im Zimmer hat einer ausgecheckt, also gleich Tony gefrat und mir einen sicheren Bettplatz ergattert 
Und falls ihr euch fragt: Nein, vom Zyklon Yasi merken wir nichts. Mildura ist ganz weit weg. Das kann man ungefähr so vergleichen: Ihr sitzt in Furtwangen (also Mission Beach) und ich sitze in Lissabon, Portugal (also Mildura). Aber die Bilder im Internet zu sehen, ist schon erschreckend. Hier nur mal ein Beispiel:

Und an der Stelle bin ich damals noch vorbei gelaufen, als ich zum Supermarkt wollte.
Und hier ein schönes Bild von mir vom Strand.

Hier sah die Welt noch ganz anders aus ...
Kaum zu glauben, dass da nichts mehr ist! ... stimmt einen schon ein wenig nachdenklich und ich bin wirklich froh, dass ich mich um diese Zeit nicht dort aufgehalten habe, aber mir tut es für die Menschen da oben wirklich leid.
Also bis bald dann wieder meine Lieben. Hoffentlich wird die Woche erträglicher, was das Arbeiten angeht 

Kakerlaken, die so groß wie eine Zigarette sind (mit Fühler eben), sind hier normal 

Eine Huntsman Spinne auf der Arbeit neben der Toilette

... aber so groß war sie nun auch wieder nicht.
Keine Sorge, sie ist kein bisschen giftig!
Und beängstigen möchte ich euch jetzt auch nicht, aber es kam auch auf der Arbeit bei meiner Nachbarin vor, dass in ihrer Box eine Schwarze Witw / Rotrückenspinne war. Klein, aber total giftig! Und da habe ich wirklich Respekt davor und schaue auch jedes mal zuerst in die Box und welchen Reben ich jetzt nehme und ob da irgendeine kleine Spinne lauert.

Hier die Überschwemmungen