Verdammte Scheiße
Okay, ich versuchs, auch wenn ich für nichts garantieren und auch eigentlich nicht wirklich selbst erklären kann, was mit mir los ist.
Bemerkt, dass etwas nicht stimmt, habe ich ziemlich unmittelbar nach meinem Umzug würde ich sagen. Ich war plötzlich aggressiv zickig, total überreizt, Eigenschaften, die sich bei mir sonst in Grenzen halten. Vor allem Felix gegenüber, was nicht fair war und mir deshalb sehr zu schaffen machte.
Genaugenommen dürfte das Ganze aber tieferen Ursprungs sein. Schon Wochen vorher hatte ich keine Lust mehr, mich mit meinen Freundinnen zu treffen oder am Abend wegzugehen. Ich hab mich bei und mit Felix verkrochen, mich bei ihm vollkommen eingeigelt, habe mich dabei aber wohlgefühlt und wohl deswegen nichts unternommen, nicht einmal etwas gemerkt.
Das Problem nach dem Umzug war wohl, dass ich mich plötzlich auch bei Felix nicht mehr ríchtig wohlfühlen konnte und vielleicht dadurch endlich bemerkt habe, dass ein Problem besteht. Die letzte Zeit kann ich schwer rekonstruieren, da alles irgendwie schwammig ist und sich nicht lebendig anfühlt.
Ich kann nur versuchen wiederzugeben, wie ich mich fühle, und hoffen, dass ihr versucht, mich zu verstehen.
Ich habe keine Lust mehr, Dinge zu tun.
Ich möchte keine Freunde treffen, weil ich niemanden ertrage. Manchmal wird es trotzdem ganz nett, aber vorher habe ich nie Lust dazu, mir graut es regelrecht davor, jemanden zu sehen, sogar Maria.
Ich kann kaum noch ein Buch lesen, weil ich mich nicht darauf konzentrieren kann.
Eigentlich müsste ich eine Hausarbeit schreiben, Abgabe ist 13.10., vom 24.09 bis 06.10. bin ich im Urlaub. Wenn ich die 3 Tage abziehe, an denen ich arbeiten und den Urlaub planen muss, bleiben mir knappe 5 Tage für 25 Seiten. Utopisch, nicht machbar. Und mir irgendwie einfach egal. Mir ist es egal, ob ich 3 Punkte schreibe oder 18. Egal, ob ich durchfalle, das Thema egal, die Anderen egal, wenn sie über mich reden.
Ich kann mich momentan nicht aufraffen, irgendetwas zu tun, die Hausarbeit kommt nicht voran.
Ich war mit Felix ein paar Tage bei seinen Eltern. Wir haben den ganzen Tag nichts gemacht, ich bin keine Sekunde dazu gekommen, an der Hausarbeit zu schreiben vor lauter Nichtstun. Ich fühle mich momentan wie unter einem Nebel, nehme um mich herum kaum etwas wahr, die Zeit vergeht, ohne dass ich es merke, ein Zeitgefühl habe ich ohnehin nicht mehr.
Manchmal spüre ich einen Druck in der Brust oder im Kopf, der anschwillt, bis ich es nicht mehr ertrage und am Liebsten irgendwo hinunterspringen würde, nur damit es aufhört.
Manchmal fühle ich mich auch neutral, fast niemals auch nur ansatzweise fröhlich.
Ich erkenne mich selbst nicht mehr, bin träge, lustlos, apathisch. Mir ist es egal, was ich tu oder lasse, egal welcher Film angeschaut wird oder was ich am Abend mache, was es zu essen gibt, wen ich sehen werde, ob das Semester wieder anfängt oder ob die Welt untergeht.
Oft fange ich grundlos an zu weinen und kann nicht mehr damit aufhören. Ein befreiendes Weinen ist es selten, manchmal geht es mir danach besser, manchmal ist alles genauso trostlos wie zuvor.
Das Schlimmste für mich ist, wie "es" sich auf meine Beziehung auswirkt. Ich kann Felix nur noch schlecht wahrnehmen, manchmal fällt es mir schwer, mich an sein Gesicht zu erinnern, wenn er nicht da ist. Immer öfter habe ich fast wahnsinnige Vorstellungen davon, dass wir eine einzige Person sind, nicht zwei, das wir miteinander verschwimmen und eins sind, uns nicht mehr voneinander abheben. Gestern Abend habe ich mir allen Ernstes eine ganze Weile lang eingebildet, Felix könnte möglicherweise nur in meiner Vorstellung existieren oder sei längst tot, weswegen ich plötzlich wieder weinen musste, aber davon wurde nichts besser. Es macht mir stark zu schaffen, dass ich ihn nicht mehr richtig wahrnehmen kann, oft auch dann nicht, wenn ich bei ihm bin.
Bei ihm geht es mir ein bisschen besser, als allein. Manchmal fühle ich mich am Abend fast normal, vor allem, wenn ich mich aktiv mit Felix beschäftige. Vor ein paar Tagen hat er mir am Abend so lange aus der Unendlichen Geschichte vorgelesen, bis ich fast eingeschlafen bin. In solchen Momentan fühle ich mich besser, fast wieder lebendig. Aber sie sind rar.
Die restliche Zeit verbringe ich mit Grübeleien, meistens über mich und Felix, wahrscheinlich weil es immer am einfachsten ist, denen die Verantwortung zuzuschieben, die am Präsentesten sind.
Felix ist mein Leben, ich liebe ihn abgöttisch aber ich kann das momentan nicht fühlen. Ich weiß es, aber das Gefühl fehlt mir fast immer. Manchmal habe ich genusowenig Lust, ihn zu sehen, wie alle Anderen. Dann will ich mich am Liebsten unter meiner Bettdecke einigeln und nichts mehr sehen, nichts mehr fühlen, einfach weg sein.
Ich habe irrationale Angst davor, mich irgendwann von Felix trennen zu müssen, weil es an "uns" liegt, dass es mir so schlecht geht. Dabei weiß ich ganz genau, dass er mich niemals verlassen würde, dass uns eigentlich nichts trennen kann. Die Angst ist viel eher, dass es mir mit ihm nicht gut gehen "kann", dass mein Leben und mein Geist ihn einfach "aussortiert" gegen meinen Willen. Dabei kann so etwas nicht passieren. Warum sollte ich nicht mit ihm zusammensein können, wenn ich das will? Und ich will es unbedingt, weil ich ihn liebe.
Ich weiß nicht was mit mir los ist.
Aber es geht mir so schlecht, wie vorher noch nie, und das, obwohl momentan einfach alles gut läuft.
Ich will, dass es aufhört, dass alles so bleibt wie es ist, nur ohne diese beschissenen Gefühle (oder auch diese beschissene Gefühllosigkeit, ohne diese Angstzustände, ohne dieses Drücken in der Brust).
H I L F E ! ! !